ERSTE LEIDENSCHAFT : DIE FOTOGRAFIE

Als passionierter Fotograf und überaus begeistert von der architektonischen Vielfalt der Stadt Bordeaux, habe ich zwischen 1987 und 1990 eine vollständige Studie über die Türklopfer der Stadt veranlasst. Durch ihren hohen künstlerischen Gehalt und ihr häufiges Vorkommen machen diese einen beträchtlichen Teil der Kunstschmiedearbeit unserer Stadt aus.
Als das zweihundertjährige Jubiläum der Schmiedgesellenvereinigung anstand, trat das Haus des Handwerks der Stadt Bordeaux mit mir in Kontakt. Die Feierlichkeiten fanden vom 08. bis 20. Mai 1991 statt. Es handelte sich um die Verwirklichung einer Fotoausstellung zur Wahrnehmung der Türklopfer von Bordeaux.
Seit diesen Festtagen schmücken zahlreiche Fotografien den Saal der Meisterwerke im Haus des Handwerks in der 76, rue Laroche in Bordeaux.
Bordeaux wurde soeben von der UNESCO auserwählt; ich hoffe, dass die verschiedenen öffentlichen Körperschaften von Stadt und Region die Ausstellung in seiner Gesamtheit finanzieren werden. Auch wünsche ich mir, dass die Ausstellung durch selbige in vielen europäischen Städten gezeigt wird, mit dem Ziel einen maßgeblichen Teil des städtischen Architekturguts von Bordeaux zu fördern. Es kostete uns viele Jahre der Planung.
Um die Erfolgsaussicht bei der Umsetzung dieser Ausstellung zu vergrößern, werde ich mich außerdem an mehrere Weingüter wenden, denen unsere Stadt und unsere Region ihren Weltruf verdanken.
Die verursachten Kosten werden im Rahmen des Mäzenatentums durch die Möglichkeit der steuerlichen Abschreibung an alle Partner zurückfließen.

DIE TüRKLOPFER

Ich bin ihnen mehr als tausend Mal über den Weg gelaufen ohne sie wirklich zu bemerken,
Entweichen eines hastigen Blicks, sonst auf eine Menge wichtiger Dinge gelenkt.
Dennoch, eines Tages, mittendurch den Gegenstand, einfacher Versuch einen Durchgang zu schaffen, der Auslöser.
Gebrauchsgegenstände der Vergangenheit, sind sie da, uns ganz nahe, ein Schattenspiel einstiger Sommertage.
Eine lange einsame Irrfahrt auf der Suche nach der Seltenheit.
Geheimnisvolle Anziehungskraft,
Mischung von Anmut und Feinheit.
Einige wie Chamäleons, eingemummelt im Farbkleid,
Auf der Suche nach Identität, doch verblasst in den grellen Farben von Heute.
Andere, zerbrechlicher, zwischen zwei Besuchen, verschwinden im Schattenspiel der Nacht.
Auf den unverkleideten Türen zeichnen sich die Farbstreifen einer Leere ab,
Vergangene Schönheit, traurige Zukunft, in der Fotografien sie nicht ersetzen werden können, die überreste verschwundener Türklopfer.
Augenverwöhnen, sanfte Empfindung beim Abtasten,
Gefährte des Sommers, der Moment des Auslösers.

Jean-Pierre Ganelon

Die meisten Werke über die Stadt Bordeaux erwähnen seit langem die Existenz der Heurtoirs an den Haustüren unserer Hauptstadt Aquitaniens. Dabei sind Heurtoirs mehr als nur Türklopfer: zahlreich verbreitet, handelt es sich um wahre Kunstwerke von hervorragender Qualität. Am Ende des 19. Jahrhunderts sollen die Eigentümer der herrschaftlichen Stadthäuser von Bordeaux, trotzdem sie den modernen Türklingeln nicht widerstehen konnten, noch derart an ihren Heurtoirs gehangen haben, dass sie diese jeden Abend von ihren Bediensteten von den Flügeltüren entfernen ließen, um sie am nächsten Morgen wieder anbringen zu lassen.

Der luxuriöse Charakter dieser geschmiedeten und ziselierten Objekte erinnert unweigerlich an die bizarre Schönheit eines Schmuckstückes, eines Kettenanhängers etwa, ein bezeichnendes Lautbild, welches noch heute Anspruch auf dieses Privileg erhebt. Ohne Zweifel sind es die Heurtoirs, welche zum Emblem unserer Stadt geworden sind. Nicht umsonst bedient sich die Werbung häufig ihrer Graphiken, als aussagekräftiges Zeichen für Eleganz und Tradition. Dennoch besann man sich erst in den 90er Jahre, als eine nicht unbedeutende Anzahl dieser Türklopfer auf Antiquitäten-Markten untertauchte, eines Besseren, und widmete ihnen eine photographische Inventur und eingehende Studien. Fehlende Pflege oder Instandhaltung und Oxidation hinterließen unübersehbare Spuren und erklären den schlechten Zustand der Heurtoirs.

Dennoch könnte man unsere verschwundenen Heurtoirs heute nicht durch Türklopfer von vergleichbarer Qualität ersetzen. Die Kunst der damaligen Schlossermeister - welche die Eisenstangen wieder und wieder mit ihrem Hammer beschlugen, das Metall dann mit dem Punzen und auf dem Amboss betrieben und schließlich die fertige Arbeit polierten und erneut überpolierten, um ihr den silbernen Glanz zu verleihen - existiert schon lange nicht mehr. Zu schwer, zu zeit- und kostenaufwendig ist diese Arbeit, nicht zuletzt seitdem Gusseisen als die preiswertere Variante - bereits von Réamur im 18. Jahrhundert gepriesen - die alte Schmiedekunst ablöste.

Türklopfer oder Hammer, sowohl der eine als auch der andere wurden von innen an die Außentür angebracht, und dienten dazu, sich von der Türschwelle her anzukündigen. Beide waren zunächst seltene und luxuriöse Objekte, welche man mit den schweren Kirchtüren des Mittelalters und später mit den prinzlichen Ansitzen der zweiten Renaissance assoziierte. Während des sich allgemein verbreitenden Wohlstandes im XVII. Jahrhundert, wurden die Heurtoirs jedoch von ihrer Sonderstellung entthront, und Bordeaux widmet sich im XVIII Jahrhundert, bekannt als sein goldenes Zeitalter, in erster Linie der Mode.

Die Heurtoirs, in Bordeaux in Sichthöhe angebracht, bestehen aus zwei Bestandteilen: einer Metallplatte, deren zugeschnittene und stilisierte Konturen auf den Holztüren Motive aus der Zeit von Régence, Louis XV oder der neo-klassischen Epoche hinterließen, und deren verbleibende Spuren noch lange die Erinnerung an ein Objekt wachhalten, das man inzwischen abmontiert hat. Zweiter Bestandteil ist die Rosette, oder der Knopf, eben jenes Element, dessen man sich bedient, um zu Klopfen. Dies ist also der Türklopfer im eigentlichen Sinne des Wortes: durch eine Schlinge befestigt, lässt er sich dank von Scharnieren bewegen. Seine Größe und Form unterscheiden sich je nach Epoche und Zugehörigkeit: da findet man Gehänge, abgerundete Schnallen oder auch sogenannte Umhängetaschen. Ferner sind Froschschenkel, Delphine, Ringe oder eine Hand bevorzugte Motive.

Der Glanz dieser Schmiedekunst reiht sich dabei - für jedermann sichtbar - in den Luxus der Kunstschmiedearbeiten an den äußeren Fassaden ein. Dazu zählen auch die Imposte (eine Art Arkade, die zu den architektonischen Besonderheiten unserer Stadt gehört) und die Balkone, welche einen Vorgeschmack auf die kunstvollen Treppenhäuser der Gebäude geben: ein prahlerisches Zeichen unter Bewahrung der Etikette, jener Anstands-Regeln, welche man von den Angehörigen höheren Standes erwartete.

Marie-France Lacoue-Labarthe

Décembre 2008

Weitere Werke des Autors zu diesem Thema :

  • Heurtoirs de Bordeaux, Princi Neguer Editor, 2000.
  • L'Art du fer forgé en pays bordelais de Louis XIV à la Révolution, réédition revue et corrigée, Bordeaux, Société archéologique de Bordeaux (1 place Bardineau, 33000 Bordeaux), 2003.
  • Meubles bordelais, meubles de port, Société archéologique de Bordeaux, 1996.

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